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BERICHT ÜBER BRUNO

Unversöhnlich stehen sich mit den beiden Hauptfiguren dieses Romans
zwei Generationen und zwei ethische und politische Grundhaltungen
gegenüber: konservativer Liberalismus und revoltierender Terrorismus.
Erzählt wird aus der Perspektive des Innenministers einer Monarchie, der
durch die Machenschaften seines Enkels Bruno Collignon gerade gestürzt
wurde. Er gibt sich nun Rechenschaft über sein Leben und die Beziehung zu
seinem Enkel. Geschildert wird der erbarmungslose Machtkampf zwischen
den beiden gegensätzlichen Charakteren, in dem schließlich der ganze
Staatsapparat eingesetzt wird, um einen Familienzwist auszufechten. Der Stil
des Buches ist von eleganter Raffinesse, einfach, suggestiv und unterkühlt
in der Sprache, virtuos im konsequenten Einsatz der indirekten Rede als
Kunstmittel.
Der 1962 erstmals erschienene Roman gilt als einer der wichtigsten
politischen Romane der Nachkriegszeit und hat seit seinem Erscheinen
nichts an Aktualität eingebüßt.
Diese Neuausgabe von Breitbachs Hauptwerk wird ergänzt durch bisher unveröffentlichtes Material
zur Entstehungsgeschichte des Romans und ein ausführliches Nachwort der Herausgeber.


„Ich war sehr gierig auf Ihren Roman und dann vom raffinierten
ersten Satz bis zur beglückenden letzten Zeile eine erregende Nacht
lang in seinen Bann geschlagen. Ich kann Sie nur beglückwünschen!“

WOLFGANG KOEPPEN AN JOSEPH BREITBACH


Bericht über Bruno. Roman. Göttingen: Wallstein 2009. 463 S., 29 Abb., Leinen, Schutzumschlag. € 22,00. Mainzer Reihe, Neue Folge. Band 9. ISBN: 978-3-8353-0494-9

PRESSESTIMMEN



„Die erste Breitbach-Werkausgabe hat bereits in ihren Anfängen ein doppeltes Verdienst. Sie macht bedeutende Literatur wieder zugänglich und nicht etwa durch bloßes Zusammendrucken, sondern hervorragend aufbereitet. […] Alle Texte sind kritisch konstituiert und dokumentengestützt kommentiert. […] Präzise herausgearbeitet werden neben biographischen und zeitgeschichtlichen Hintergründen, die vor allem für ein angemessenes Verständnis des ,Berichts über Brunoʻ größte Bedeutung haben, auch zentrale ideelle Implikationen.“

Wolfgang Albrecht, Germanistik, Bd. 50, 2009, Heft 3-4



„Es wäre zu wünschen, dass die vorzüglich kommentierte Neuausgabe des Wallstein-Verlages seinem Werk wieder mehr Aufmerksamkeit verschafft. Denn ,Bericht über Brunoʻ ist ein ungewöhnliches, sehr aufschlussreiches Buch. Zum einen ist es ein Polit-Thriller, wie man ihn von deutschen Autoren selten liest. Stringent und kenntnisreich wird geschildert, wie ein Land durch politische Intrigen an den Rand des Bürgerkriegs getrieben wird. [...] Zum anderen ist ,Bericht über Brunoʻ die Annäherung an einen hochbegabten, überambitionierten Jugendlichen, dessen elitäres Denken in Terrorismus umschlägt.“

Tobias Haberkorn, Süddeutsche Zeitung, 3. Dezember 2009



„Breitbach war ein kühler Kopf mit heißem Herzen, der von Frankreich aus auf deutsche Zustände blickte. Das allein nimmt seinen Büchern den Muff. Sein bekanntester Roman ist eine Verteidigung der Demokratie gegen die Ideologen – mit dem Florett, das Clarté heißt. Stallwärme, Sentiment, 68er Gequatsche gibt es hier nicht, stattdessen politischen Verstand, Analyse, kalte Menschenkenntnis. Und eine stilistische Eleganz, die ihresgleichen sucht.“

Andreas Nentwich, boersenblatt.net, 27. Januar2010



„Der Roman, 1962 erschienen, war damals eine kleine Sensation. Für heutige Leser ist er eine scharfsinnige und spannende literarische Studie zum Verhältnis von Macht, Erotik und Politik.“

Antje Strubel, Deutschlandradio, 18. Juli 2010