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Das blaue Bidet

Jean Barbe hat sich vom Arbeiter zum größten Knopffabrikanten Europas
emporgearbeitet. Mit 60 will er ausbrechen ins eigentliche Leben. Ohne
Gepäck, mit prall gefüllter Brieftasche bricht er mit allen Abhängigkeiten –
wird aber Opfer seiner Gewohnheiten. Der Weg in die Freiheit gerät zu einer
Odyssee, die an den Verhältnissen und menschlichen Abgründen scheitert.
Wie überall in Breitbachs Werk geht es auch in diesem Roman aus dem Jahr
1978 um die Grundfragen individueller und kollektiver Existenz. Erzählerische
Meisterschaft und stilistische Brillanz machen das Spiel mit den Perspektiven
und der doppelten Dimension des Helden Jean Barbe zu einem tiefsinnigen
Meisterwerk über menschliche Fragwürdigkeit. Voller Skepsis berichtet der
Autor über sich selbst, treibt sein heiteres Spiel mit Erzähltechniken und
scheut sich nicht, sich mit einem Kritiker anzulegen.
In einem Nachwort berichten die Herausgeber über Entstehung und Wirkung
des letzten großen Erzählwerks von Joseph Breitbach, mit dem die Reihe der
Werke in Einzelausgaben abgeschlossen ist.

„Klar, hell, dabei ungemein kontrolliert fließt seine Prosa, die weniger durch poetische Intensität,
vielmehr durch Präzision und Knappheit zum Lesen verführt. Es liegt heitere Angriffsfreude und
trockener Humor über dem Ganzen.“

HORST KRÜGER, DEUTSCHLANDFUNK


„Heitere Romane sind so rar – und ein Roman von so hoher künstlerischer Qualität wie Ihrer ist ein besonderer Glücksfall.“

ROBERT MINDER AN JOSEPH BREITBACH


Das blaue Bidet oder Das eigentliche Leben. Roman. Göttingen: Wallstein 2013. 395 S., 15 Abb., Leinen, Schutzumschlag. € 18,00. Mainzer Reihe, Neue Folge. Band 12. ISBN: 978-3-8353-1218-0

PRESSESTIMMEN



„Gemäß den Editionsprinzipien der Werkausgabe ist Breitbachs letzter Roman einer gründlichen textkritischen Durchsicht unterzogen worden, bei der die Herausgeber nicht nur offenkundige Versehen behoben, sondern auch nachträgliche Autorenkorrekturen … eingefügt haben. […] Der Textkonstitution korrespondiert eine nicht minder umsichtige Werkkommentierung in Gestalt entstehungsgeschichtlicher Ausführungen und eines Information mit Analyse exemplarisch verbindenden Nachwortes. […] Stringent wird ,Das blaue Bidet‘ʻ als ein eminent sprachkünstlerischer Schelmenroman voller ironischer Selbstbezüge sowie provokant zugespitzter gesellschafts- und kulturkritscher Implikationen interpretiert. […] Immerhin gibt es nun die Erzählprosa, zweifellos das Kernstück von B.s Lebenswerk, in hervorragender editorischer Aufbereitung.“

Wolfgang Albrecht, Germanistik, 2013, Band 54, Heft 1-2



„Das bietet Gelegenheit zur Wiederbegegnung mit einem Autor, der sich künstlerisch wie politisch zu seiner Epoche querstellte.“

Joseph Haniman, Süddeutsche Zeitung, 14. Oktober 2013