Kurzfassung

Joseph Breitbach (* 20. September 1903 in Koblenz-Ehrenbreitstein – † 9. Mai 1980 in München) war
ein deutsch-französischer Schriftsteller und Publizist, der seit 1929 überwiegend in Frankreich lebte
und sich für eine Verbesserung der kulturellen und politischen deutsch-französischen Beziehungen einsetzte.
Breitbach war Sohn des Rektors der Ehrenbreitsteiner Volksschule; er verließ das Gymnasium vor dem Abitur. Zeit seines Lebens besessen von Politik, sozialen Themen, Literatur und Malerei, widmete er sein schriftstellerisches Gesamtwerk der radikalen Aufklärung des Missbrauchs von Macht. Er interessierte sich für die Wirklichkeit des kleinen Mannes und thematisierte noch vor Siegfried Kracauers Studie (1930) in seinen Erzählungen das Schicksal der Angestellten. 1931 übersiedelte er endgültig nach Paris und blieb nach Hitlers Machtergreifung in Frankreich, wo er während des 2. Weltkiegs unter falschen Namen versteckt lebte. Erst 1961 nahm er im deutschen Sprachraum einen Zweitwohnsitz, in München.
Zusätzlich zu seiner kontinuierlichen Tätigkeit als Schriftsteller zwischen 1921 bis 1980 nahm er, motiviert durch seine persönliche Erfahrung am Ende des Ersten Weltkriegs und getrieben von der Sorge um bessere nachbarschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, als Berater und Publizist starken Einfluss auf die politischen und kulturellen Aktivitäten beider Länder. Über Jean Schlumberger hatte er seit Mitte der 1930er-Jahre direkten Zugang zu hochgestellten Persönlichkeiten in der französischen Regierung, desgleichen nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland durch Wilhelm Hausenstein, erster deutscher Botschafter in Frankreich, und General Hans Speidel.
Mitte der 1920er-Jahre stand Breitbach der Kommunistischen Partei nahe, setzte sich intensiv mit der marxistischen Lehre auseinander und stellte sich seit 1929 gegen den Marxismus. Später warnte er unablässig führende Politiker und Verantwortliche im Kulturbereich vor den ständigen Versuchen der Sowjetunion über die DDR in der BRD Einfluss zu gewinnen und führte das Beispiel Frankreichs an. Sein Hauptwerk, >Bericht über Bruno<, 1962 erschienen, wurde zum Bestseller und in sieben Sprachen übersetzt. In seiner Literaturgeschichte spricht Klaus Günther Just von einem großen politischen Roman strengster Prägung und fügt hinzu: >Damit hat der deutsche Roman nach anderthalb Jahrzehnten den Anschluß an die Weltspitze wiedergewonnen.< (K.G. Just: >Von der Gründerzeit bis zur Gegenwart<. Francke Verlag, Bern, 1973) Breitbach selbst schrieb er: >Ich habe ... Ihr Werk als einen der großen politischen Romane unseres Jahrhunderts begrüßt, politisch ... im Sinne eines sehr tiefen und sehr genauen Einblicks in die Mechanismen der Macht, ...< (Brief an Breitbach, 29. November 1972). Gerhard Schmidt-Henkel: >Der Roman operiert mit Empirie und erhebt sie ins Parabolische< (Gerhard Schmidt-Henkel in: >Die Dialektik von Macht und Moral, Meditations/Vermittlungen<, Bern, Lang, 1992). 2006 erschien der erste Band der Werkausgabe Joseph Breitbach, die 2013 abgeschlossen werden konnte.
Seine Kenntnis wirtschaftlicher Zusammenhänge, verbunden mit ungewöhnlicher politischer Weitsicht, half ihm, Geld so anzulegen, dass er finanziell unabhängig wurde. Neben Joseph Roth und Wolfgang Koeppen unterstützte er viele weitere Schriftsteller und Maler.
Seit 1998 wird der Joseph-Breitbach-Preis an deutschsprachige Autoren verliehen.

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