NACHLASS

1977 besuchte der Leiter der Handschriftenabteilung des Deutschen Literaturarchivs Marbach, Dr. Jochen Meyer, Joseph Breitbach in Paris. Sie kamen überein, den literarischen Nachlass Breitbachs Marbach zu übergeben. Dort liegen die Korrespondenzen in Deutsch und Französisch, veröffentlichte und unveröffentlichte Manuskripte, Tagebücher, persönliche und literarische Notizen und persönliche Dokumente.

Mit einer Ausnahme: Jean Schlumberger (1877-1968) hatte seine Tagebücher von 1930-1968 und seine Briefe an Breitbach nach seinem Tod Breitbach übergeben lassen. Dieser hat später bestimmt, die Schlumberger-Tagebücher und diesen Briefwechsel der Bibliothèque littéraire Jacques Doucet in Paris zu geben.

Die Tagebücher Schlumbergers bis 1930 und weitere Teile seines Nachlasses befinden sich in Les Treilles, der Stiftung einer der Nichten Schlumbergers, Madame Annette Gruner-Schlumberger, in Südfrankreich.

In Potsdam, im ehemaligen Zentralen Staatsarchiv der DDR, fanden sich nach der Wiedervereinigung Deutschlands über 40 Mappen mit Dokumenten von Joseph Breitbach. Dabei handelte es sich um Papiere, die 1941 in Breitbachs Wohnung in Paris beschlagnahmt worden waren und die anschließend zusammen mit anderen beschlagnahmten Gütern nach Schlesien transportiert wurden. Archivalien, die die Rote Armee in Deutschland oder in besetzten Gebieten 1944/45 erbeutet oder beschlagnahmt hatte, wurden nach Moskau gebracht. Aus dem Sonderarchiv der sowjetischen Hauptarchivverwaltung kamen Teile der deutsche Emigranten betreffende Dokumente – Breitbach war allerdings kein Emigrant – Mitte der 1950er-Jahre in die DDR, weitere Teile kamen ins sowjetische Außenministerium und zum KGB. In Moskau liegen noch zwei Mappen mit Dokumenten aus Breitbachs Pariser Wohnung.

Der Breitbach-Bestand des Zentralen Staatsarchivs der DDR, von dem Breitbach nie etwas erfahren hatte, liegt heute in Marbach. Es handelt sich um Korrespondenzen bis 1939, darunter unveröffentlichte Briefe von Thomas Mann, v.a. die Gründung von >Maß und Wert< betreffend. Dazu Briefwechsel mit Verlagen, Georg Britting, Julien Green, Hermann Kesten, Ferdinand Lion, Roger Martin du Gard, Paul Alverdes, René Schickele, Emil Strauß, Otto v. Taube und anderen. Auch eine frühe, maschinengeschriebene, aber nicht abgeschlossene Version des Clemens-Romans fand sich. Der weitaus größte Teil von Breitbachs Korrespondenzen und Tagebüchern bis 1939 ging bei der Plünderung seiner Pariser Wohnung und seines Banksafes verloren. Deshalb haben Dokumente aus der Zeit vor 1939 eine besondere Bedeutung für den Nachlass von Breitbach.