PREISTRÄGER SEIT 1998

Seit 2004 erscheinen die Reden zur Preisverleihung, herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und der Stiftung Joseph Breitbach, in einer eigenen Reihe, die die Referentin der Klasse der Literatur, Petra Plättner, betreut. Die Broschüren sind zu erhalten über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Die Broschüren zur Preisverleihung werden gesponsert vom Kulturamt der Stadt Koblenz und der Sparkasse Koblenz.

Die „Laudationes und Reden der Preisträger anlässlich der Verleihung des Preises 1998 und 1999“ sind als Broschüre unter der gleichen Adresse zu erhalten.

2015 – Thomas Lehr

foto BEGRÜNDUNG DER JURY:

Die Stiftung Joseph Breitbach und die Akademie der Wissenschaften und der
Literatur Mainz verleihen den diesjährigen Joseph- Breitbach-Preis an den
Schriftsteller Thomas Lehr. In Thomas Lehr würdigt die Jury eine der
eigenwilligsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur, einen Autor,
der sich seit seinem Debüt ›Zweiwasser oder Die Bibliothek der Gnade‹ aus dem
Jahr 1993 in jedem Werk aufs Neue mit poetischer Phantasie um eine zwingende Kongruenz von Stoff und Form bemüht. Lehr verfügt über eine Fülle höchst
unterschiedlicher Erzählweisen, sei es die raffinierte Schnitttechnik des
bundesrepublikanischen Breitwandpanoramas ›Nabokovs Katze‹, sei es der in
zahllose Splitter zerspringende Monolog eines Sterbenden in der Novelle ›Frühling‹
oder die narrative Zeitlupentechnik in dem Science-Fiction-Roman ›42‹.
Das an der ›Ilias‹ und Goethes ›West-östlichem Divan‹ geschulte Epos ›
September Fata Morgana‹ – ein rhapsodischer Roman in vier Stimmen und
Identitäten – darf in seiner artistischen Verschränkung von westlicher
und östlicher Perspektive als eine der gelungensten

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Joseph-Breitbach-Preis 2015

Sigrid Löffler Laudatio. Gedanken-Experimente.
Thomas Lehr: Dankrede. Der Schmetterling der Zeit.
32 Seiten, 2 Abb., ISBN 978-3-9812182-9-9

2014 – Navid Kermani

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„Die Jury begründet ihre Entscheidung vor allem auch mit dem
Ausnahmerang des 2011 erschienenen Buchs: ‚Dein Name‘ – Romanchronik
aus der Gegenwart und selbstbiographisches Epos in einem –, das in der
lückenlosen Nachschrift der Schriftstellerexistenz über die fünf Jahre
seiner Entstehung zugleich ein Weltpanorama entwirft. Hier findet ein
schriftstellerisches Oeuvre seinen bisherigen Höhepunkt, das aus einer
eindrucksvollen Reihe religionswissenschaftlicher Werke, herausragender
Reportagen und Reisebücher, aber auch in sich vielgestaltiger
Romanerzählungen besteht und in diesem Gipfelwerk sicher nicht seinen
Abschluss finden wird.“

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Joseph-Breitbach-Preis 2014

Andreas Platthaus: Laudatio. Den lieb ich, der Unmögliches begehrt.
Navid Kermani: Dankrede. Jeder Mensch eine Menschheit.
32 Seiten, 1 Abb., ISBN 978−3−9812182−8−2

2013 – Jenny Erpenbeck

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„Jenny Erpenbeck ist die Epikerin des Augenblicks, in dem aus den Zufällen
einer Vita Schicksal wird. In ihren Prosatexten – von der Geschichte vom
alten Kind (1999) über die Novelle Wörterbuch (2005) bis zu den Romanen
Heimsuchung (2007) und Aller Tage Abend (2012) – ergründet sie mit
disziplinierter Empathie die Beschädigungen des Lebens in Konstellationen der
Angst. Sie versieht Möglichkeitsformen des Überlebens, Versagens, Opferseins
zwischen Krieg, Diktatur und den Ideologien des 20. Jahrhunderts mit Antlitz,
Sprache, Biografien, Herzschlag. Ihre Bücher fragen nach Menschen, die nicht
gefragt werden, ob sie Zeitzeugen sein wollen, die manchmal die Wahl haben
zwischen Anstand und Anpassung, Widerstand und Verdrängung, kaum jemal
s zwischen Leben und Tod.
Die Jury zeichnet Jenny Erpenbeck aus für ein Werk, in dem sich künstlerische Wahrhaftigkeit
mit hoher Formkunst, Sprachschönheit und einer Evokationskraft verbindet, die uns in jedem
Augenblick zu Mitleidenden und Mitfühlenden macht.“

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Joseph-Breitbach-Preis 2013

Andreas Platthaus: Laudatio. Und so weiter, bitte.
Jenny Erpenbeck: Dankrede. Was macht die Zeit mit dem Schreiben?
27 Seiten, 1 Abb., ISBN 987-3-9812182-7-5

2012 – Kurt Flasch

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„Mit Kurt Flasch zeichnet die Jury einen großen Philosophen und Historiker
aus und zugleich einen ,der urbansten Schriftstellerʻ (Gustav Seibt), der
die Literatur der Gegenwart durch seine Essays, Übersetzungen und
Erinnerungen bereichert hat. |#br#| Seine Epochen-Darstellungen und
Monographien machten, von Augustinus ausgehend, den Zusammenhang
des abendländischen Denkens, der intellectual history, seit der Spätantike
sichtbar. Seine staunenswerte Gelehrsamkeit, sein glanzvoller Stil und sein
kämpferischer Witz öffnen dem Leser den Blick für die Aktualität, aber auch
für das ganz Andere jener scheinbar überwundenen Fragestellungen und
Kontroversen. ,Philosophie hat Geschichteʻ – dieser Leitsatz machte Flasch zum
Erzähler, der Universitätsfehden in Paris so lebendig werden läßt wie Intrigen
am päpstlichen Hof. Der Übersetzer von Augustins Bekenntnissen wandelte sich zum Novellisten,
der Boccaccios Decamerone und die Epoche seiner Entstehung neu erfindet. Die eigene Mainzer
Kindheit, im jähen Schrecken endend, und das vertrackte Weiterleben von Eva und Adam, vom
verlorenen Paradies, wurden für sich geltende Meisterstücke der Gegenwartsliteratur, ehe Flasch
jetzt mit der monumentalen Übersetzung von Dantes Comedia und ihrer Gesamtdeutung sein
bisheriges Lebenswerk zusammenfaßte.“

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Joseph-Breitbach-Preis 2012

Ralph Dutli: Himmlisches Schuhwerk und das Lächeln des Universumser Grimm.
Kurt Flasch: Dankrede. Am Rhein – Schneetreiben
26 Seiten, 10 Abb., ISBN 978-3-9812182-4-4

2011 – Hans Joachim Schädlich

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„Hans Joachim Schädlich sucht die Deformation des Menschen durch
repressive und manipulative Verhältnisse dort auf, wo sie unverfälscht ans
Licht kommt: in beschädigter Sprache. Jeder seiner Prosatexte ist ein Kosmos
kunstvoll falsch gesetzter Töne, Stachel im trägen Fleisch sprachlicher
Übereinkünfte, und durchflackert von Ironien. Die große Kunst dieses Autors
besteht darin, dass seine Texte nichts abbilden und nichts nachbilden, aber
ihr völliges Erfundensein direkt von den Vitalkräften des Lebens gespeist
zu sein scheint. Seit Erscheinen seiner ersten Texte 1977 ist er modern, den
wechselnden literarischen Moden allein durch Selbsttreue und Liebe zur
Wahrheit eine Reflexionslänge voraus. Seine Bücher, von Tallhover (1986) bis zu
Kokoschkins Reise (2010) besitzen die Kraft und unmittelbar evidente Gültigkeit
der Parabel. Hans Joachim Schädlich ist der große Erzähler unter den Nichterzählern: ein Lakoniker ohne die sonst unvermeidliche Mitgift des Sentimentalen, der aus Sprödheit musikalische Funken
schlägt, mit höchster Künstlichkeit zu fiebernder Teilnahme nötigt, mit Sirenentönen zur Reflexion
verlockt.“

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Joseph-Breitbach-Preis 2011

Ruth Klüger: Aesop und die Brüder Grimm. Laudatio
Hans Joachim Schädlich: Großvater, erzähl uns etwas ... Dankrede
32 Seiten, 4 Abb., ISBN 978-3-9812182-4-4

2010 – Michael Krüger

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„Der Joseph-Breitbach-Preis 2010 wird an den Dichter, Essayisten und
Herausgeber Michael Krüger verliehen. Der Lyriker hat in einer Reihe wichtiger
Gedichtbände auf die Entwicklung der Poesie Einfluß genommen und in
immer erneuerter Unmittelbarkeit gegenwärtige Erfahrung an die großen
Traditionen des 20. Jahrhunderts angeschlossen. Der Erzähler hat in einer
für ihn charakteristischen, schwebendironischen Haltung scharf umrissene
Augenblicksbilder der Gesellschaft entworfen. Der Essayist und langjährige
Herausgeber der bedeutendsten deutschen Literaturzeitschrift hat die
europäische und anglo-amerikanische Avantgarde mit der deutschsprachigen
verknüpft. Auf einzigartige Weise kann der Schriftsteller und Verleger Michael
Krüger als das ästhetisch-literarische Gewissen der Moderne gelten.“

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Joseph-Breitbach-Preis 2010

Friedmar Apel: Die Artistik des Vogelfluges. Laudatio
Michael Krüger: Toblerone und das Jetzt. Dankrede
32 Seiten, eine Abb., ISBN 978-3-9812182-2-0

2009 – Ursula Krechel

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„Ursula Krechel, die einmal Dichten als Denken mit anderen Mitteln
bezeichnete, hat deutsche Befindlichkeiten und Deformationen in einem
Jahrhundert der Kriege und ideologischen Verwerfungen stets im
Unbewussten, in Symbolhandlungen und Zwängen aufgesucht. Dass die
politisch und ästhetisch hoch reflektierte Autorin tatsächlich jenen ,anderen
Mittelnʻ vertraute, also der Eigendynamik der Sprache und dem poetischen
Klangsinn, lässt ihre lyrischen und erzählerischen Werke zu Abenteuern werden,
die im Licht der Aufklärung beginnen und auf symbolischer, mitunter surrealer
Ebene die Verluste und Lebenslügen bilanzieren. In scharfsinnigen Essays, die
ihr Schreiben begleiten, gibt sie nicht nur Rechenschaft über dieses, sondern
zugleich eine zeitgenössische Schule der Poetik. Ihr jüngster Roman, der die
Schicksale deutscher Juden im Shanghaier Exil beschreibt, zeigt psychologische Tiefenschärfe,
lyrische Evokationskraft, Recherche und erzählerisches Ingenium in einer Verbindung, wie sie
inspirierter in der Gegenwartsliteratur nicht zu finden ist. Die gelehrte Dichterin hat in Shanghai
fern von wo alle Register ihrer Kunst gezogen, für einen Roman des Exils, der künftig zu den
bewegendsten Büchern deutscher Sprache gezählt werden dürfte, den notwendigen sowieso.“

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Joseph-Breitbach-Preis 2009

Jochen Jung: Die Teilnehmerin. Laudatio
Ursula Krechel: Ohr und Hand ganz unverwandt. Dankrede
28 Seiten, 3 Abb., ISBN 978-3-9812182-1-3

2008 – Marcel Beyer

BEGRÜNDUNG DER JURY:

„Die Jury ehrt den Lyriker und Romancier Marcel Beyer für seine sprachlich
versierte und psychologisch komplexe Auseinandersetzung mit den
langen Schatten der deutschen Vergangenheit. Er hat das Verhältnis
von Erinnerung und Erfindung, Verschweigen und Vergessen in immer
neuen Versuchsanordnungen ästhetisch ausgelotet und die große
Geschichte im Spiegel individueller Schicksale reflektiert. Recherche,
Analyse und Fiktion gehen in seinen Büchern eine subtil komponierte und
atmosphärisch dichte Verbindung ein, wobei die literarische Rekonstruktion
der Vergangenheit die Bedingungen des Erinnerns immer mitreflektiert.
Beyers Romane sind poetische Resonanzräume für die Stimmen der Toten;
imaginäre Raumerweiterungen, deren Präzision und Musikalität stets dem
Klangbewusstsein und der sprachlichen Ökonomie des Lyrikers geschuldet sind.“

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Joseph-Breitbach-Preis 2008

Hubert Spiegel Vom Vogel ohne besonderen Namen. Laudatio
Marcel Bayer: Im Kopf der Krähe. Dankrede
40 Seiten, 3 Abb., ISBN 978-3-9812182-0-6

2007 – F.C. Delius

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„F.C. Delius ist der poetische Chronist bundesdeutscher Zustände,
Befindlichkeiten und Neurosen. Er macht das Gesellschaftliche im Privaten
dingfest, geleitet von unbestechlichem Erkenntnisinteresse und ohne
Hochmut. Radikal ist seine Einlassung auf die Einzelpsyche. Mit ihr geht
eine leidenschaftliche Suche nach zwingender sprachlicher und formaler
Umsetzung einher, die keinen Stillstand bei einmal gefundenen Haltungen und
Sprachmustern zulässt. In vierzig Jahren ist so der deutschen Literatur ein Werk
der Aufklärung zugewachsen, das, stets politisch, allen Ideologien trotzend
und niemandem gefällig, große Klangsinnlichkeit, Sprachschönheit und neue
Formen des Epischen hervorgebracht hat. In der jüngsten Erzählung Bildnis
der Mutter als junge Frau verschränken sich seine analytischen und lyrischen
Qualitäten zum komplexen Rhythmus eines großen Gesangs. Die Jury zeichnet Friedrich Christian
Delius aus für seine nuancierten Psychogramme deutscher Menschen, für die Furchtlosigkeit des
Gedankens, für die Musikalität und innovative Kraft seiner Prosa.“

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Joseph-Breitbach-Preis 2007

Heinrich Detering Ein freier Schriftsteller – Laudatio auf den 1. FC Delius
Marcel Bayer: Im Kopf der Krähe. Dankrede
40 Seiten, 3 Abb., ISBN 978-3-9812182-0-6

2006 – Wulf Kirsten

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„Schon mit seinem ersten – 1970 erschienenen – Lyrikband Satzanfang hat
Wulf Kirsten sein Thema gefunden, das Feld, das er seither mit wachsender
Meisterschaft bestellt: die Landschaft seiner Heimat und ihre Geschichte.
Die Erde bei Meißen heißt die Sammlung von Kirstens Gedichten, die 1986
im Leipziger Reclam Verlag und ein Jahr später in der Bundesrepublik
Deutschland (bei Suhrkamp) herauskam. Auch die folgenden Gedichtbände
Stimmenschotter (1993) und Wettersturz (1999) und die Prosabände Die
Schlacht bei Kesselsdorf (1984) und die Prinzessinnen im Krautgarten (2000)
verdanken ihre Faszination der Legierung von Landschaft und Historie, die in
den Boden eingerückt ist wie die Spur von Wagenrädern und Pflugscharen.
Die Sprache des Dichters bricht sich an den Unebenheiten, Verwerfungen,
Widerständen dieser Erdlebenbilder (so der Titel der vor zwei Jahren im Ammann/Verlag
erschienenen Gedichte aus fünfzig Jahren 1954-2004); sie ist ganz dem sinnlich konkreten Detail
verschrieben: ,auf wortwurzeln fasse ich fußʻ. Ihre stärkste Ausdruckskraft gewinnt diese Sprache da,
wo das Ich die Enteignung seiner Heimat erfährt. Sie reicht vom Verlust der ländlichen Welt, die mit
der Kindheit nicht nur für den Dichter unterging, bis zur heillosen Verwüstung der Natur durch einen
menschenverachtenden Fortschritt und macht Kirstens Lyrik zu einem ebenso unsentimentalen wie
hinreißenden Nach-Ruf auf das in ihr überlebende Naturgedicht.“

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Joseph-Breitbach-Preis 2006

Peter Hamm: Reich beschädigt oder Im Glorienschein der Armut. Laudatio
Wulf Kirsten: Geschichtsbefrachtete Wechselbäder. Dankrede
Wolf Lepenies: Deutsch-französische Kulturkriege – Eine Erinnerung – Festrede
40 Seiten, 2 Abb., ISBN 978-3-9807335-7-1

2005 – Georges-Arthur Goldschmidt

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„Der in Paris lebende Schriftsteller, Essayist und Übersetzer Georges-Arthur
Goldschmidt ist ein literarischer Grenzgänger, der das Leben und Schreiben in
zwei Ländern und Sprachen in eine eigene poetische Landschaft verwandelt
hat. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft musste er Deutschland 1938
verlassen; die Vertreibung aus der deutschen Sprache wurde zur Quelle eines
bedeutenden Werkes, das die Schwellenerfahrung zum Ausgangspunkt
allen Sprechens macht. Goldschmidts Kindheitserinnerungen, die Romane
Die Absonderung und Die Aussetzung sowie seine Autobiographie Über
die Flüsse gehören mit ihrer subtil austarierten Spannung zwischen Intimität
und Sarkasmus zu den großen Selbstzeugnissen der Gegenwartsliteratur. In
seinen luziden Meditationen über den Ursprung der Sprache (Als Freud das
Meer sah) sowie seinen zahlreichen Essays und literarischen Übersetzungen hat sich Goldschmidt
als erstrangiger Vermittler zwischen seiner französischen ,Lebensspracheʻ und seiner deutschen Muttersprache etabliert.“

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Joseph-Breitbach-Preis 2005

Thomas Steinfeld:Der Einhandsegler und seine Liebe zum Schiffbruch. Laudatio
Georges-Arthur Goldschmidt: Das Meer der Sprache. Dankrede
28 Seiten, 5 Abb., ISBN 978-3-9807335-5-6

2004 – Raoul Schrott

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Mit seiner Erfindung der Poesie (1997), einer Anthologie von Gedichten aus
den ersten viertausend Jahren trat der Dreiunddreißigjährige als kongenialer
Vermittler sumerischer, griechischer, lateinischer, arabischer, hebräischer,
provenzalischer, altirischer und frühitalienischer Lyrik hervor. Räumlich-zeitlicher
Kosmopolitismus prägt auch Schrotts Nachdichtungen des Gilgamesh-
Epos und der Bakchen des Euripides sowie seine eigene Lyrik (Hotels, 1995;
Tropen, 1998), in der das sogenannte lyrische Ich nicht als identitätsfixiertes
Subjekt, sondern in vielerlei Masken auftritt: in der Rolle Dantes und
Petrarcas, Masaccios und Michelangelos, Galileis und Einsteins. Das Spiel
mit verschiedenen Epochen und Protagonisten prägt die überaus kunstvolle
Komposition des Romans Finis terrae (1995) und, zur Virtuosität gesteigert, des
sprachmächtigen Erzählwerks Tristan da Cunha oder Die Hälfte der Erde von 2003.“

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Joseph-Breitbach-Preis 2004

Michael Krüger:Der unerwartete Rückzug des Geldes. Laudatio
Raoul Schrott: Die dritte Seite der Münze. Dankrede
32 Seiten, eine Abb., ISBN 978-3-9807335-3-X

2003 – Christoph Meckel, Herta Müller und Harald Weinrich



Christoph Meckel – 2003

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„Christoph Meckels umfangreiches Werk ist von Anfang an geprägt von
graphischen und literarischen Arbeiten. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht
,das nackte Menschsein und was darin fehltʻ. In nicht wenigen von Meckels
Büchern verschmelzen Poesie und Prosa, Erzählung und Essay, Biographie und
Fiktion. Auffällig die Fülle der Bilder, die Phantasie, die Märchen-Motive. Dazu
kommen politische Aspekte, etwa in den autobiographischen Annäherungen
(Suchbildern) an den Vater und die Mutter. Durchweg kennzeichnend ist das
Ineinander von Hoffnung und Verzweiflung, Pathos und Lakonie.“

Laudatio von Waldemar Weber



Herta Müller – 2003

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„Herta Müller hat den scharfen, das Unscheinbare und vorgeblich Harmlose der
Gegenwart zergliedernden Blick ihrer ersten, noch in Bukarest erschienenen
Prosastücke gegen alle Anfechtungen bis heute bewahrt. Das Trauma der alten
Diktatur und die Skepsis gegenüber einer freien, in Wohlstand imprägnierten
Gesellschaft, der Überschwang der Erfindung und die aus dem Augenblick
heraus wirkende, im Wortspiel und im lakonisch gedrängten Märchenbild
aufblitzende Poesie wirken in ihrem letzten Roman, in ihren Erzählungen und
Essays eng zusammen und geben den lyrischen Miniaturen ihrer Text-Bild-
Collagen: Im Haarknoten wohnt eine Dame ihre schwebende Form. Herta
Müller ist unverwechselbar, einzig in der deutschsprachigen Literatur.“

Laudatio von Andrea Köhler



Harald Weinrich – 2003

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„1992 wurde der Romanist Harald Weinrich als erster Ausländer, als erster
Deutscher, ans Collège de France in Paris berufen. Die Auszeichnung ehrte
einen Schriftsteller, der als Linguist und Literaturkenner, als Essayist und als
Übersetzer Jahrzehnte hindurch die französische und die deutsche Kultur als
geschichtliche Einheit und als Zukunftsprogramm aufgefaßt und aufgebaut
hat: er arbeitete gleichzeitig an einer großen Textgrammatik der deutschen
und der französischen Sprache. Früh hatte er in der Linguistik der Lüge die
Sprachwissenschaft aus ihrer selbstgewählten Isolation befreit und seiner
Argumentation die Eleganz französischer Geistigkeit verliehen. Seine Arbeiten
zur Kunst und Kritik des Vergessens und zur Literatur der Heiterkeit nehmen
spielerisch alle Farben der von ihm durchmessenen Landschaften auf.“

Laudatio von Hans J. Siepe



2002 - Elazar Benyoëtz, Erika Burkart und Robert Menasse



Elazar Benyoëtz – 2002

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„Der seit 1939 in Jerusalem lebende Schriftsteller Elazar Benyoëtz ist bei uns
bekannt geworden mit einer Reihe von Aphorismen-Sammlungen. Was seine
Sinn-Sprüche, Sentenzen, Maximen so anregend macht, ist sein Gespür für die
Vieldeutigkeit von Worten und die Zusammenhänge, in denen sie stehen, für
verblüffende Unterscheidungen, Paradoxien, Zuspitzungen. Kennzeichnend
ist das Knappe, Gedrängte, Antithetische, Spielerische, Hellsichtige, Meditative
seiner Sätze. Es gelingt Benyoëtz, dem Aphorismus, der ja zunächst eine Form
der Prosa ist, durch Einbildungskraft, Metaphorik, Stilwillen zugleich poetischen
Charakter zu geben. Seine Bücher sind – in der Nachbarschaft zum Gedicht –
außerordentliche Ideenparadiese.“

Laudatio von Harald Fricke



Erika Burkart †

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„Die Lyrikerin Erika Burkart kann auf ein bedeutendes Gesamtwerk,
mehrere Gedichtbände und einige vorwiegend autobiographische Romane
zurückblicken. Das animistische Naturempfinden, das ihre frühen Texte
auszeichnet, wandelt sich allmählich, evoziert Musik; ihr jüngster Gedichtband
trägt den Titel Langsamer Satz. Unverwechselbar ist die Handschrift, aber
verdichteter, konkreter erscheinen der Garten, der vertraute Innenraum, die
Menschen. In ihren neuesten Gedichten erweist sich Erika Burkart als Meisterin
der Wahrnehmung und als Dichterin einer Welt, die zu versinken droht und
zugleich strahlend gegenwärtig ist.“

Laudatio von Jürgen Egyptien



Robert Menasse – 2002

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„Die Ehrung gilt dem Gesamtwerk Menasses, der frühen Romantrilogie
Sinnliche Gewißheit, Selige Zeiten, brüchige Welt und Schubumkehr ebenso
wie seinen kulturkritischen Aufsatzsammlungen, vor allem aber dem 2001
erschienenen Roman Die Vertreibung aus der Hölle, in dem es dem Autor
gelingt, auf einzigartige Weise den erzählerischen Umgang mit der Geschichte
neu zu bestimmen. Von einem Geschichtsphilosophen, der zugleich ein
Sprachmagier der Apokalypse ist, wird der Leser in immer neue Fallen gelockt,
auf Weiterentwicklung des Geschehens verwiesen, die sich als Illusion erweist.
Die Gegenwart wird zu einem Sammelplatz abgebrauchter Urteile und Utopie-
Entwürfe, die Geschichte zu einer in Haß und Leidenschaft, in Hoffnung und
Angst unbrauchbaren, leeren Gegenwart, die nur aus dem Abstand die düstere
Farbigkeit von Rembrandts Nachtstücken gewinnen kann.“

Laudatio von Michael Rutschky



2001 - Thomas Hürlimann, Ingo Schulze und Dieter Wellershof



Thomas Hürlimann – 2001

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„Die Arbeiten des Erzählers und Dramatikers Thomas Hürlimann – sein erstes
Prosabuch Die Tessinerin erschien vor zwanzig Jahren – fielen von Anfang
an durch ihre Sprachkraft auf, durch das Ineinander von produktiven und
reflektierenden Impulsen. Sie sind geprägt sowohl durch den Ernst, mit dem
sie sich in existentiellen Grenzbereichen bewegen, als auch durch Witz, Komik,
Satire. Sie überzeugen durch die Sicherheit, mit der sie jeweils die Form
meistern und die eigene Spur finden.“

Laudatio von Sebastian Kleinschmidt



Ingo Schulze – 2001

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„Geschult an der Russischen Moderne ... sowie an der nordamerikanischen
Erzählkunst ... gelingt es Ingo Schulze meisterhaft, die großen und kleinen
Tragikomödien des Alltags zuzuspitzen und poetisch überzeugend darzustellen.
Besonders beeindruckt Schulzes Vielfalt im künstlerischen Ausdruck:
Bestechen in 33 Augenblicke des Glücks seine phantastisch-realistischen, teils
barock-überbordenden Erzählungen, so herrscht in den wirklichkeitsgesättigten
Simplen Storys. Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz eine genau kalkulierte
Erzählökonomie vor.“

Laudatio von Boris Groys



Dieter Wellershoff – 2001

foto BEGRÜNDUNG DER JURY:

Dieter Wellershoff – in erster Linie dem Erzähler und Essayisten – verdanken
wir ein umfangreiches, bedeutendes Lebenswerk. Literatur ist für ihn vor
allem ein Medium der Erkenntnis. Sie ist in der Lage, uns die Welt in ihrer
ursprünglichen Fremdheit und Dichte zu zeigen. Der Reichtum an Perspektiven
in Wellershoffs Büchern – bis hin zu seinem vielbeachteten Roman Der
Liebeswunsch – entspricht der Komplexität des Daseins, der Erfahrung, die in
ihnen sichtbar wird.“

Laudatio von Werner Jung





2000 - Ilse Aichinger, W.G. Sebald und Markus Werner



Ilse Aichinger – 2000

foto BEGRÜNDUNG DER JURY:

„Am Beginn von Ilse Aichingers außerordentlichem Werk steht der Roman
Die größere Hoffnung. Es folgten Erzählungen, Hörspiele, Dialoge, Gedichte,
Aufzeichnungen – strenge, hellsichtige, unerhört konzentrierte, oft geisterhaft
wirkende Arbeiten, die das Schweigen zugleich brechen und bewahren, das
scheinbar Bekannte wieder unbekannt werden lassen.“

Laudatio von Ruth Klüger



W.G. Sebald †

BEGRÜNDUNG DER JURY:

„Mit W.G. Sebald wird ein Erzähler und Essayist ausgezeichnet, der in den
letzten zehn Jahren drei große Prosabücher vorgelegt hat: Schwindel. Gefühle
(1990), Die Ausgewanderten (1992) und Die Ringe des Saturn (1995). Sebalds
Werke erschienen in vielen Übersetzungen, begründeten seinen Ruhm im
Ausland und lösten eine anhaltende Diskussion über die Nachkriegsliteratur
aus. Für Susan Sontag ist er einer der eindrucksvollsten Vertreter der
Gegenwartsliteratur.“

Laudatio von Andrea Köhler



Markus Werner – 2000

foto BEGRÜNDUNG DER JURY:

Markus Werner gewinnt in subtiler Erzählkunst dem gewohnten Alltag Tiefe
und Bedeutung ab, die er mit Eleganz, Leichtigkeit und Humor auslotet. Seine
Romane, Geschichten zwischen Anpassung und Widerstand, fügen sich zum
Porträt einer Generation.“

Laudatio von Helmut Böttiger









1999 - Reinhard Jirgl, Wolf Lepenies und Rainer Malkowski



Reinhard Jirgl – 1999

foto BEGRÜNDUNG DER JURY:

„Reinhard Jirgl hat Jahre des erzwungenen Schweigens genutzt, um in
seinen Romanen und Erzählungen eine vorher nicht gekannte Intensität der
Darstellung zu erreichen, für die der Schrecken des Erlebens und das Staunen
vor dem Neuen gleiche Herausforderungen sind. Abschied von den Feinden
und Hundsnächte erzählen die aufgewühlte Geschichtslosigkeit im Übergang
der einen in die andere deutsche Gesellschaft. Ins Apokalyptische gesteigert,
öffnet seine Prosa, in der sich die Literatur dem kollektiven Vergessen zu
widersetzen weiß, den Blick kritisch für neue Ufer. Seit Hans Henny Jahnn hat
niemand ein so loderndes Vertrauen in die rettende Macht der Sprache und des
Gedankens wie dieser Autor.“

Helmut Böttiger: Laudatio auf Reinhard Jirgl



Wolf Lepenies – 1999

foto BEGRÜNDUNG DER JURY:

„Wolf Lepenies hat in der geschlossenen Reihe seiner Bücher über Melancholie
und Gesellschaft, über das Ende der Naturgeschichte und zur Soziologie
der Gesellschaft im 19. Jahrhundert einen durch die Zeitströmungen nicht zu
beschädigenden Beitrag zum Selbstverständnis unserer Zivilisation gegeben. In
seinem Hauptwerk hat er im Streit um die beiden Kulturen durch sein Plädoyer
für die dritte, die zwischen Literatur und Wissenschaft stehende Soziologie,
eine zwingende Lösung vorgeschlagen. Glänzend in der Argumentation, die
Erkenntnis an Anschauung und Wort gebunden, haben seine Werke den Rang
hoher Literatur. Er steht in der von ihm bewunderten Tradition der französischen
Moralisten. Einem ihrer größten, dem Kritiker Sainte-Beuve, hat er sein
schönstes und persönlichstes Buch gewidmet.“

Laudatio von Iso Camartin: Pour Sainte-Beuve oder Von der Kunst der Porträtisten



Rainer Malkowski †

foto BEGRÜNDUNG DER JURY:

„Die zurückhaltenden, alles Plakative meidenden Gedichte Rainer Malkowskis
überzeugen unter anderem durch eine besondere Art von Genauigkeit.
Sie zielen auf Erkenntnis durch Vergegenwärtigung von Augenblicken der
Wahrnehmung. Rhetorik ist ihnen fremd. In knapper Form sprechen sie von
komplexen Zusammenhängen.“

Peter Horst Neumann: Rede auf Rainer Malkowski







1998 - Hans Boesch, Friedhelm Kemp und Brigitte Kronauer



Hans Boesch †

foto BEGRÜNDUNG DER JURY:

„Er hat in seinem gesamten Romanwerk den Dualismus zwischen gewachsener
Natur und planender Technik, zwischen Chaos und Ordnung gestaltet. Die
Lebensgeschichte seiner Romanfiguren stellt eine Besichtigung unseres
Jahrhunderts dar.“

Elsbeth Pulver: Ein Werk wie ein erratischer Block



Friedhelm Kemp †

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Mittler zwischen der französischen und der deutschen Literatur nach dem
zweiten Weltkrieg, hat er als Essayist und Übersetzer maßgeblich dazu
beigetragen, daß die deutsche Dichtung im europäischen Kontext sich neu
orientieren konnte.“

Hendrik Birus: Laudatio auf Friedhelm Kemp



Brigitte Kronauer – 1998

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„Ihr Werk überzeugt in einer nicht nachlassenden Wahrnehmungsintensität
durch die Verbindung von Realismus und Emphase, Gelassenheit, Kraft und
Sicherheit sowohl in der detaillierten Darstellung alltäglicher Dinge und
Vorgänge als auch in pathetischen Höhenlagen.“

Jürgen Dormagen: Laudatio auf Brigitte Kronauer