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Rot gegen Rot

Erstmals sind sämtliche Erzählungen Joseph Breitbachs in einem Band
veröffentlicht.

„Du bist, mon cher ami, ein Erzähler von Gnaden“, befand Golo Mann in
einem Brief an Joseph Breitbach, „und hättest in Deinem Leben wohl noch
mehr erzählen sollen.“ In Breitbachs erstem Zyklus von Erzählungen, „Rot
gegen Rot“ (1929), tritt uns die Welt der Angestellten, wie sie Siegfried
Kracauer nur wenig später beschreiben sollte, unmittelbar vor Augen.
Diese Szenen aus dem Werktag der kleinen Leute waren aus ureigenster
Anschauung entstanden, hatte Breitbach doch selbst mehrere Jahre in den
Buchabteilungen großer Warenhäuser gearbeitet und dort Einblicke erhalten,
deren plastische Schilderung ihn schließlich seine Stellung kosten sollte:
Zu lebensecht waren wohl die Porträts des Personals geraten, von den
Verkäuferinnen und verführten Lehrmädchen über den kommunistischen
Liftjungen bis hin zum misstrauischen Direktor und dessen intrigierenden
Stellvertreter. Eifersucht, Missgunst, Neid, Scheinheiligkeit, Betrug und Anmaßung werden hier in
all ihren Facetten sichtbar, und doch bleibt der Ton immer leicht, ist die humorvolle Sympathie des
Autors für seine Figuren in jeder Zeile spürbar. Max Brod lobte: „Die Tatsachen sprechen oft einen
Argot, der gelernt sein will. Aus diesem Buch eines jungen Erzählers ist viel zu lernen.“ Neben „Rot
gegen Rot“ (1929) enthält der Band die Erzählungen aus „Die Rabenschlacht“ (1973), die Erzählung
„Lärm“ und das Fragment „Clemens“.


„Ich bin, wenn ich Sie lese, zuhause.“

WOLFGANG KOEPPEN AN JOSEPH BREITBACH


Rot gegen Rot. Die Erzählungen. Göttingen: Wallstein Verlag 2008. 512 Seiten. Leinen, Schutzumschlag. € 24,00. Mainzer Reihe, Neue Folge, Band 7. ISBN: 978-3-8353-0262-4

Pressestimmen



„Breitbachs Blick zurück in die späte Republik von Weimar eröffnet erstaunliche Einsichten. Sie zeigt eine weitverzweigte kommunistische Kultur und Subkultur, eine bestens funktionierende Koexistenz mit dem Kapitalismus, eine Partei, die Kampforganisation ist, vor allem aber Lebensform ihrer Mitglieder. Keineswegs verherrlichend, sondern als nüchterne Alltagsbeschreibung entsteht ein Bild von der Hingabefähigkeit, der intellektuellen Neugier, ja dem Lesehunger und der Verantwortungsbereitschaft der kleinen Parteimitglieder, die staunen lässt [...].“

Martin Mosebach, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Oktober 2008



„… Und er hatte den Alltag der Arbeiter und Angestellten, das Verhalten der Parteigenossen und Ordnungshüter, die Direktiven der Rayonchefs und Konzernherren sehr genau studiert. So stellt der Band eine erzählerische Dokumentation bewegender Zeitgeschichte dar. Brillante Dialogführung, lebensechte, mit nur wenigen Strichen gezeichnete Charaktere, plastische Umgangssprache, überraschende Handlungsabläufe machen die Erzählungen zu kleinen Meisterwerken. […] Für [Breitbach] war Literatur eng mit moralischer Verantwortung und sozialem Engagement verbunden.“

Renate Wiggershaus, Frankfurter Rundschau, 9. Januar 2009



„Schon die ersten Erzählungen – die Breitbach als angestellter Buchhändler in einem Warenhaus verfasste – verblüffen den heutigen Leser durch eine Klarheit des Stils, eine inhaltliche und konzeptionelle Stringenz und erzählerische Tiefe, die absolut heutig und zeitlos modern erscheint.“

Claus Ambrosius, Rhein-Zeitung, Koblenz, 17. September 2008



„Breitbach ist ein exzellenter Beobachter, der nah an seinen Figuren bleibt. Sein Blick ist leidenschaftlich, aber nie unkritisch oder sentimental. […] Es ist die Kunst des Autors, Stellung zu beziehen und gleichzeitig Distanz denen gegenüber zu wahren, deren Seite er sich zeit seines Lebens zugehörig fühlte.“

Christine Cornelius, Allgemeine Zeitung, Mainz, 18. Oktober 2008



„Ein gemeinsamer Nenner seiner narrativ verarbeiteten faits divers liegt wohl in Breitbachs Sensibilität für moralische Abgründe, für Szenen des Verrats, der Gewalt und für Konflikte zwischen divergierenden Ansprüchen, denen sich seine Protagonisten regelmäßig stellen müssen. … [Der Band] versammelt alle Erzählungen Breitbachs, die […] mitsamt einem materialreichen biobibliografischen Nachwort sorgsam ediert wiederveröffentlicht werden.“

Bernd Blaschke, www.literaturkritik.de, Nr. 7, Juli 2009



„Breitbach ist seiner Zeit voraus. Siegfried Kracauers Studie ,Die Angestelltenʻ kam 1930, Hans Falladas Roman ,Kleiner Mann – was nun?ʻ folgte 1932.“

Reinhold Mann, Schwäbische Zeitung, Leutkirch, 28. Mai 2009